r’adys mountain marathon 2011

laut wikipedia bezeichnet kasteiung oder selbstkasteiung (von lat. castigatio „züchtigung“), im mittelalterlichen deutsch kestigung, freiwillige entbehrungen und leiden, die aus sehr unterschiedlichen absichten erfolgen können.

ob buße oder gar die asketische absage an die eigene triebhaftigkeit und sinnlichkeit für manchen athleten beim r’adys mountain marathon in der schweiz den ausschlag zur teilnahme gegeben hat, ist unklar. der antrieb, durch diese moderne form des selbstgewählten leides innerlich frei für irgendetwas höheres zu werden, dürfte jedoch wenigstens unterbewusst eine rolle dabei spielen, dass man schon kurz nach dem zieleinlauf – wenn einem das laktat in den muskeln den boden unter den füßen wegzieht, das herz so schnell und hart schlägt, dass selbst die pulsuhr außer atem gerät, und man feststellt, welche notwendigkeiten des unmittelbaren überlebens auch in stabiler seitenlage erfolgreich durchgeführt werden können – genau weiß, dass der erschöpfte ausspruch „nie wieder!“ spätestens unter der dusche schon wieder schall und rauch ist und man am ende doch die augen nach der ausschreibung fürs nächste jahr aufhält.

insofern war es nach unserem erfolgreichen debüt 2008 nur eine frage der zeit, bis mein brüderlein und ich mal wieder die zeit fanden, den eidgenossen gemeinsam einen besuch abzustatten. am vergangenen wochenende war es dann so weit. endlich! die hard facts des r’adys mountain marathon 2011: 2 tage orientierungs-bergmarathon. 2 leute. 1 team. die noch härteren fakten: 43,5 km wegstrecke. 2.500 höhenmeter. knapp 10 kg gepäck pro mann. 10 stunden und 13 minuten laufzeit. und am ende ein 2. platz in der kategorie „trail strong“ (parcours 7). mann oh mann, klingt das gefährlich!

wen’s interessiert – im folgenden eine kurze routenbeschreibung beider tagesetappen (fehler und gedächtnislücken vorbehalten): nach zwei nächten im wenig beschaulichen andermatt (kanton uri, 1.447 m), ging es samstagmorgen zum start an der alten gotthardpass-straße auf knapp 2.100 m. die kontrollpunkte unseres parcours führten uns zunächst nach westen ins kanton tessin vorbei am orsino-orsirora- und valletta-see und entlang des lucendro-stausees wieder richtung gotthardpass-straße. diese kreuzend schwenkten wir dann nach osten richtung alpe di sorescia (2.162 m), und von dort hinauf aufs dach der samstagsetappe, den sellapass (2.701 m). schon reichlich breit halluzinierten wir uns von dort auf allen vieren über geröllfelder talwärts, um nach einem nicht enden wollenden abstieg schließlich nach rund 5h und 20min im camp unterhalb der vermigelhütte (2.042 m) im unteralptal zusammenzubrechen. ein bad im eiskalten bergbach sowie diverse „frauenbiere“ auf der hütt’n vermochten die lebensgeister aber relativ schnell wieder zurückzubringen, sodass wir sonntagmorgen um 8 uhr einigermaßen wiederhergestellt am start zum zweiten tag standen. hier führte unser parcours zunächst östlich um den piz purtgera herum richtung portgeren-see und über den maighelspass (2.421 m) ins kanton graubünden. dann nach norden am carin- und urlaun-see vorbei, hinauf zu toma-see (der quelle von gevatter rhein auf 2.345 m) und badushütte (2.505 m), und von dort über die martschallücke (2.684 m) zum „doppelten höhepunkt“ am sonntag, dem tumsli (2.743 m) und piz nurschalas (2.740 m). von dort ging die wilde hatz dann stetig talwärts richtung oberalppass und -see (teilweise wieder auf allen vieren) und von dort letztlich wieder zurück ins urserental nach andermatt.