ostfriesland

„jetzt aber kam auf dem deiche etwas gegen mich heran; ich hörte nichts; aber immer deutlicher, wenn der mond ein karges licht herabließ, glaubte ich eine dunkle gestalt zu erkennen, und bald, da sie näher kam, sah ich es, sie saß auf einem pferde, einem hochbeinigen hageren schimmel; ein dunkler mantel flatterte um ihre schultern, und im vorbeifliegen sahen mich zwei brennende augen aus einem bleichen antlitz an.“ (theodor storm: „der schimmelreiter“)

okay, zugegeben, der gemeine friese mag für manchen eine sonderbare gestalt sein. doch personen vom bedrohlichen schlage eines nordfriesischen deichgrafen hauke haien sind wir auf unserer wochenend-radtour durch ostfriesland zum glück nicht begegnet. ganz im gegenteil. zwar scheint das temperament der friesen ähnlich flach zu sein, wie deren landschaft. und wenn es schon die meiste zeit stürmt, dann kann man auch das reden sein lassen. die schafe blöken schließlich genug. doch wer meint, als großstädter den kopf ohne viel aufwand und in kurzer zeit frei bekommen zu müssen, dem sei dringend eine tour durch den nordwestlichsten zipfel der republik empfohlen. nicht umsonst haben stressgeplagte hamburger rentierjäger des jungpaläolithikums bereits um 13.000 v. chr. zwischen emden und spiekeroog nach entspannung gesucht. und mit dem bau des steinzeitlichen bohlenweges am „ewigen meer“ waren friesische visionäre des wochenendtourismus schon seit ca. 2.500 v. chr. auf uns radwanderer vorbereitet. optimale voraussetzungen also, um die seele mal eben im wind baumeln zu lassen.